Ein Buch wecken – Wie aus „Goethe’s Faust als Versuch zur Lösung des Lebensproblems …“ das E-Book „Lebensproblem Sehnsucht“ wurde

 Am Anfang war ein Buch von 1916 mit dem sperrigen Titel „Goethe’s Faust als ein Versuch zur Lösung des Lebensproblems in den Hauptlinien betrachtet und beurteilt“ von Georg Streng.

Goethe ist immer ein guter Ansatzpunkt, die Fausttragödie fasziniert Leser und Zuschauer auch nach zwei Jahrhunderten noch. Und zu Beginn des ersten Weltkriegs 1914, zwei Jahre ehe er sein erstes Buch veröffentlichte, wurde Georg Streng von den französischen Behörden des Landes verwiesen. Diese Erfahrung fließt in seine Analyse der Faustdichung ein und macht sie nur noch interessanter.

Doch wie weckt man ein beinahe hundert Jahre altes Buch zu neuem Leben?

Eine Möglichkeit, den immergrünen Inhalt eines alten Buches für neue Leser zugänglich zu machen, ist die Neuauflage als E-Book.

Doch wie kommt der Text in eine E-Book-Datei? Der normale Weg ist einfach. Man scannt den Originaltext und lässt die Bilddateien des Scanners von einem OCR-Programm (Optical Character Recognition)  in eine Textdatei umwandeln. Die geht man auf Übertragungsfehler durch und kopiert sie in einen Texteditor, mit dem man das HTML-Mark-up für das E-Book erstellt.

Das Wort „Übertragungsfehler“ sollte an dieser Stelle hellhörig machen. Denn Vieles kann bei der Umwandlung von Bild zu Text zu Fehlern führen: Kaffeeflecken, Fliegendreck, Stockflecken … Und auch die Buchstaben selbst. Im Falle von Georg Strengs Faustbuch waren es die in Fraktur gesetzten Buchstaben.

Fraktur war eine über Jahrhunderte verbreitete Schrift, die in Deutschland erst während des zweiten Weltkriegs abgeschafft wurde. Der Name der Schrift gibt einen Hinweis auf eines der Probleme beim automatischen Erkennen der Buchstaben: Die Zeichen sind gebrochen, nicht in „einem Teil“. Naiv wie ein Computerprogramm ist, deutet es einen gebrochenen Buchstaben als zwei Zeichen. Und das ist erst der Anfang …

Außerdem bleibt bei einem E-Book nichts mehr vom Charme der Frakturschrift. Das E-Book will Text als Text darstellen. Wie er den Text liest, in großen oder kleinen, schwarzen oder grünen Zeichen, bleibt dem Leser überlassen. Das ist in Ordnung. Aber wir wollten etwas Anderes.

Wir sind übrigens überzeugt, dass auch heutige Leser Frakturschrift lesen können und lesen wollen, wenn das Buch interessant ist. Zurückhaltung ist nachvollziehbar, aber unbegründet. Die Fraktur-Buchstaben sehen den lateinischen Buchstaben ähnlich. Nach der Lektüre von zwei in Fraktur gesetzten Seiten tritt ein Übungseffekt ein, danach geht das Lesen leicht wie bei lateinischen Buchstaben.

Aus diesem Grunde entstand Georg Strengs Faust-Analyse  als Bildband. Und so gingen wir vor:

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Georg Strengs Faust-Analyse aufgeschlagen (Foto Hartmut Streng)

1. Das uns vorliegende Buch von Georg Streng war offenbar feucht gelagert worden. Viele Seiten waren am Rand braun und wiesen dunkelrote Stockflecken auf.

Die gescannten Seiten wurden zugeschnitten. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm wurden die Seiten von  Altersspuren gereinigt und senkrecht  ausgerichtet. In einer großen Vergrößerung wurden einzelne Buchstaben nachgearbeitet.

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Georg Strengs Faustbuch – die gereinigte Titelseite

Übrigens: Erst in diesem Zustand ist eine alte Buchseite bereit, um mit einer Texterkennungssoftware (OCR) in Text umgewandelt zu werden.

Für unseren E-Bildband haben  wir die gereinigten  Seiten mit einer für das Internet optimierten Auflösung gespeichert.

2.  Weil die Bildtafeln nicht isoliert stehen sollten, wurde  eine Einführung geschrieben, die erklärte, wer Georg Streng war und was sein Buch so  einzigartig macht, dass es für heutige Leser interessant ist. Zwei biografische Texte von  Georg Strengs Frau  Lina und seinem Sohn  Friedrich runden das Bild des Autors ab.

Georg Streng - Bestände der Familie G. Streng
Georg Streng – Bestände der Familie G. Streng

Damit der Leser eine bessere Vorstellung von Georg Streng und seiner Familie bekommt, wurden alte Familienbilder gescannt und bearbeitet.

3. Das Cover der Originalausgabe passte nicht mehr zu den Sehgewohnheiten heutiger Leser. Wir fragten uns „Was wollte Georg Streng den Lesern sagen?“ und natürlich auch „Was ist eigentlich das Lebensproblem, von dem er im Buch immer spricht?“.

Nachdem wir das Lebensproblem als Sehnsucht des Menschen identifiziert hatten, stand der neue Titel fest: „Lebensproblem Sehnsucht“

Ausgehend von dem Titel suchten wir nach einem Cover, das diese Sehnsucht ausdrückt.

4. In einem Texteditor entstand daraufhin das HTML-Mark-up des E-Books. Die HTML-Datei wurde mit den Bildtafeln und Familienbildern in einem Ordner gesammelt und zu einem E-Book umgewandelt.

Nach gut hundert Jahren ist Georgs Strengs Faustanalyse jetzt wieder erhältlich und hilft neuen Lesern zu erkennen, worum es Goethe in der Faustdichtung (auch) ging. Das E-Book „Lebensproblem Sehnsucht“ ist in den Formaten mobi und Epub bei allen großen E-Book-Shops erhältlich. Eine Auswahl an E-Book-Shops mit direkten Links zum  E-Book finden Sie auf dem Blog des Wieken-Verlags.

A open door in a empty room. 3D rendered illustration.

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